„Macht ihr Webflow oder Framer?" ist die häufigste erste Frage in Erstgesprächen. Sie ist verständlich — und sie ist die falsche erste Frage. Denn sie behandelt die Werkzeugwahl als Geschmacksfrage, obwohl sie eine Konsequenz ist.
Drei Fragen, die vor der Tool-Frage kommen
Erstens: Wie sieht das Inhaltsmodell aus? Eine Website mit 200 strukturierten Fachartikeln, Autoren und Kategorien stellt völlig andere Anforderungen als eine zehnseitige Markenwebsite. Das CMS — nicht der Designer — entscheidet hier über das Werkzeug.
Zweitens: Wer pflegt die Seite in zwölf Monaten? Wenn die Antwort „unser Marketing-Team, ohne Agentur" lautet, scheiden Lösungen aus, die für jede Änderung einen Entwickler brauchen. Wenn die Antwort „niemand, die Seite ist eine Kampagne mit acht Wochen Lebensdauer" lautet, ist maximale Pflegbarkeit verschwendete Investition.
Drittens: Was ist der Kern der Seite — Inhalt, Inszenierung oder Funktion? Inhaltsgetriebene Websites mit SEO-Anspruch haben andere Gewinner als motion-getriebene Kampagnenseiten oder Anwendungen mit Logik und Logins.
Warum wir trotzdem meistens Webflow empfehlen
Für die häufigste Projektart — Marketing-Websites mit redaktioneller Pflege und SEO-Anspruch — beantwortet Webflow alle drei Fragen überzeugend: solides CMS, echte Redakteurstauglichkeit, keine Update- und Plugin-Wartung. Das ist eine Begründung, keine Loyalität. Framer gewinnt, wenn Inszenierung dominiert und die Seite von Design-affinen Menschen gepflegt wird. Code — heute oft KI-beschleunigt — gewinnt, wenn Funktion oder Performance-Extreme den Kern bilden.
Die eigentliche Gefahr: Tool-Monogamie
Gefährlich wird es, wenn die Antwort schon feststeht, bevor die Fragen gestellt wurden — bei Agenturen genauso wie bei Kunden. Wer nur einen Hammer verkauft, wird jedes Projekt als Nagel diagnostizieren. Die beste Absicherung als Auftraggeber: Verlangen Sie die Begründung. Nicht welches Tool, sondern warum dieses. Wer die Begründung nicht liefern kann, hat die Entscheidung nicht getroffen — er hat sie übersprungen.